04.09.2018

50 Jahre Werbering Kempen

Wo Kempens Herz schlägt

Seit 48 Jahren heißt Kempens zentraler Platz Buttermarkt - wie kam eigentlich die Butter in den Namen?

Hier trifft man sich zum Plaudern und oft auch zum Feiern: der Buttermarkt.
Hier trifft man sich zum Plaudern und oft auch zum Feiern: der Buttermarkt.
Nach langen Diskussionen hatte sich die Politik nach der kommunalen Neugliederung 1970 dafür entschieden, dem zentralen Kempener Platz den Namen Buttermarkt zu geben. In früheren Jahren hatte ein kleines Plätzchen an der Schulstraße bereits diesen Namen getragen. Übrigens: In noch früherer Zeit – bis ins 19. Jahrhundert hinein – war der Name des Platzes zweigeteilt. Von der Kuhstraße bis zum Acker hieß er schlicht Markt, dahinter Rathausmarkt. Denn am heutigen Durchgang zur Propsteikirche stand das alte Rathaus.

Die historische Funktion als Handels- und Kommunikationszentrum von Kempen erfüllt der Platz heute noch. Mitte des 13. Jahrhunderts blühte der Markthandel in Kempen auf und hat sich bis heute gehalten. Jeden Dienstag und Freitag von 7 bis 13 Uhr findet ein Wochenmarkt statt, bei dem Händler verschiedener Gewerke ihre regionalen Waren feilbieten. Seit letztem Jahr können auch Berufstätige einen Markt besuchen: Fünf Mal in diesem Jahr findet der Feierabendmarkt statt, das letzte Mal am 5. September von 17 bis 21 Uhr. Viele Einzelhändler der Altstadt öffnen an diesem Tag ihre Geschäfte bis 21 Uhr. Die Kommunikation der Stadt läuft größtenteils über das „erste Haus am Platz“ – von der Hausnummer gesehen – dem 1960 wieder errichteten Rathaus, nachdem das alte Amtsgebäude im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. Schauplatz des öffentlichen Lebens in Kempen ist der Buttermarkt bei Veranstaltungen wie dem Handwerkermarkt, Markt der Sterne oder dem Altstadtfest. Bei der Kirmes im Sommer und Herbst jedes Jahres sorgen Schausteller mit ihren Attraktionen für jede Menge Spaß bei jungen und alten Kempenern. Die Herbstausgabe der Kirmes auf dem Buttermarkt findet vom 8. bis 11. September statt.

Schauplatz des Martinsfestes und Laternenumzugs

Ein jährlicher Höhepunkt in Kempen ist das Martinsfest. Nach dem Umzug mit selbstgebastelten Laternen durch die Gassen der Altstadt, findet das Fest seinen Abschluss beim Martinsfeuer auf dem Buttermarkt. Die Bedeutung des Festes manifestiert sich in der Martins-Skulptur am Buttermarkt. Die vom St.-Martin-Verein Kempen 2004 initiierte Skulptur stellt Kinder mit Fackeln und Martin-Bloese dar. In den Figuren sollen sich Kempener wiederfinden, die in ihrer Kindheit an den Martinszügen teilgenommen haben.

Ein weiteres Denkmal auf dem Buttermarkt ist der Sankt-Georg-Gedächtnisbrunnen, in Kurzform als Georgsbrunnen bekannt. Der 1912 eingeweihte Brunnen wurde zum Gedächtnis an Veteranen und gefallene Söhne der Stadt Kempen und Gemeinde Schmalbroich aus den Kriegsjahren 1864, 1866 und 1870/71 aufgestellt. Das Abbild des Kirchenmannes und Drachentöters Georg stammt vom Berliner Bildhauer E. Albrecht. Heute ist der Buttermarkt mit vielen Geschäften, Gaststätten und einem Lichtspielhaus eine zentrale Anlaufstelle für die Freizeitgestaltung und das soziale Gefüge der Stadt Kempen.


Hundert Jahre Kino

Die Betreiberfamilie Janssen feiert runden Geburtstag der Kempener Lichtspiele. Ein Überblick von der Geschichte bis zu Besucher-Aktionen von heute.

Ein Lichtspielhaus mit Tradition: das Kino der Familie Janssen am Buttermarkt.
Ein Lichtspielhaus mit Tradition: das Kino der Familie Janssen am Buttermarkt.
In vierter Generation liegen die Geschäfte der Lichtspiele am Buttermarkt in Familienhand. Seit 100 Jahren sorgt Familie Janssen für filmische Unterhaltung bei den Kempenern. Den Anfang der einstigen Schaustellerfamilie machte ein Karussell auf der Kirmes am Buttermarkt, wie es noch heute eine Fotografie im Foyer des Lichtspielhauses dokumentiert. 1918 übernahm Arnoldus Janssen das Lichtspielhaus am Markt und stieß zunächst auf Widerstände: Politik, Kirche und Pädagogen aus Kempen echauffierten sich über zu viel nackte Haut auf den Leinwänden und wollten bestimmen, was gezeigt wird. „Mein Urgroßvater zeigte in seinem Kino, was er wollte. Das Thema war damit für ihn durch“, erzählt sein Ur-Enkel Frank Janssen sichtlich stolz.

„In den 20er- und 30er-Jahren kamen bis zu 800 000 Besucher pro Jahr in die Kempener Lichtspiele. Die deutschen Kinos haben mehr Besucher als der Fußball. Das ist auch heute noch so“, erzählt der heutige Betreiber Frank Janssen. Mit 65 Jahren übergab Vater Arnold seinem Sohn das Kino am Buttermarkt. Seitdem werde kontinuierlich in Infrastruktur und Filmtechnik investiert. Das Foyer in seiner heutigen Form wurde 2008 verwirklicht. Zwei Jahre später wurden die vier Kinosäle mit digitaler Technik ausgestattet. Vorher sei der Filmgenuss nicht so klar und dynamisch wie heute gewesen. Die Lichtspielhäuser bleiben weiter in der Familie: In der fünften Generation betreiben drei Söhne von Frank Janssen die Kinos im Umland. „Der Buttermarkt ist das Herz von Kempen. Wenn man in der Stadt ausgeht, geht’s dort hin“, weiß Janssen. Er wolle dem Kinobesuch weiterhin einen „Event-Charakter“ verleihen: „Vorher essen gehen und nach dem Film etwas trinken. Beides auf dem Buttermarkt.“

Auch in diesem Jahr gibt es das Genießer-Kino von Café Peerbooms, den Kempener Lichtspielen und der Westdeutschen Zeitung. Am ersten Donnerstag im Monat wird ein ausgewählter Film gezeigt. Dazu gibt es Kaffee und Kuchen vom Café gegenüber. Das Genießer-Kino laufe „super“. Um die 100 Besucher haben das Angebot in diesem Sommer wahrgenommen.

In der September-Ausgabe des Genießer-Kinos läuft die dramatische Komödie „Dieses bescheuerte Herz“ mit Elyas M’Barek. Karten im Saal kosten acht, Logenplätze zehn Euro. WZ-Abonnenten erhalten mit ihrer Mitgliedskarte drei Euro Rabatt. Außerdem werden zwei Gewinner ausgelost, die beim nächsten Genießerkino am 4. Oktober freien Eintritt haben. Dann läuft die deutsche Komödie „Hereinspaziert!“. Anlässlich des 100. Geburtstags der Kempener Lichtspiele wird es noch Aktionen für die Besucher geben. „Die Leute sollen sich überraschen lassen“, mehr wollte Betreiber Janssen nicht verraten. Aktuelles Kino-Programm und weitere Informationen auf: www.kempenerlichtspiele.de  
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