3.8.2018

Retour le Tour

Rick Zabel: Einer mit großem Potenzial präsentiert sich bei Retour le Tour in Krefeld

Rick Zabel kommt trotz seines frühen Aus bei der diesjährigen Tour de France in guter Form nach Krefeld.

Der Radprofi Rick Zabel aus Unna ist der Sohn des ehemaligen Profis Erik Zabel.
Der Radprofi Rick Zabel aus Unna ist der Sohn des ehemaligen Profis Erik Zabel.
Ein Autounfall mit einem Mini-Van hätte Rick Zabel kurz vor dem Start der Tour de France schon fast die Teilnahme gekostet. Der Radprofi aus Unna kam mit leichten Blessuren und dem Schrecken davon. Doch am zwölften Wettkampftag, der Königsetappe der Tour, erfolgte für den 24-Jährigen vom Team „Katusha-Alpecin“ dann doch das vorzeitige Aus. Bei seiner zweiten Tour-Teilnahme musste der Sohn des ehemaligen Profis Erik Zabel vorzeitig aufgeben.

Dabei wusste Zabel um das verwegene Streckenprofil dieser Etappe. Mit dem Col de la Madelaine, dem Col de la Croix de Fer gab es vor dem Etappenfinale hinauf nach Alpe’d’Huez schon zwei brutale Anstiege. Einfach kein Terrain für einen Flachlandspezialisten aus Westfalen. Das Tempo konnte Zabel nicht mitgehen. Viele andere Sprinter, darunter auch sein Landsmann André Greipel, übrigens auch nicht. Beide lagen bereits zur Hälfte der letzten Alpen-Etappe so weit zurück, dass sie in den Besenwagen stiegen und die Tour da Rick Zabel mit verließen. Schon einen Tag zuvor hatte Zabel große Probleme gehabt, kam fünf Sekunden über dem Zeitlimit ins Ziel. Die Jury drückte ein Auge zu. Sein Teamkollege Marcel Kittel hatte es einen Tag zuvor ebenfalls entkräftet erwischt.

Doch der Sohn von Sprinter-Legende Erik Zabel besitzt großes Potenzial, wird den Ausstieg wegstecken und sich in Krefeld in guter Form präsentieren. Bereits 2009 feierte Zabel seine ersten Erfolge als Deutscher Jugendmeister, drei Jahre später folgte der Titel des Deutschen U23-Straßenmeisters, nachdem er ein Jahr zuvor das Erfurter Sportgymnasium ohne Abitur verlassen hatte. Es winkte ein Vertrag beim internationalen Rabobank-Team. Seit 2017 fährt der 72 Kilogramm schwere und 1,84 Meter große Profi für den Schweizer Katusha-Alpecin-Rennstall bei dem auch Tony Martin unter Vertrag steht. Mit der Doping-Vergangenheit seines Vaters hat Zabel kein Problem. Gegenüber einer großen Boulevardzeitung äußerte sich Zabel: „Die Zeit damals war einfach so. Fast jeder hat gedopt. Ich bin heilfroh, dass ich nicht in der Zeit Profi geworden bin.“

Ein Modellathlet

Der 26-jährige Nikias Arndt hat sich in der Rennsportszene bereits einen Namen gemacht.

Nikias Arndt
Nikias Arndt
Mit Nikias Arndt nimmt der „Capitain de Route“ des deutsch-niederländischen Radsportteams Sunweb am Krefelder „Retour Le Tour” teil. Der erst 26-jährige gebürtige Niedersachse hat sich in der Rennsportszene schnell einen Namen gemacht. Das Sportmagazin Kicker gewann ihn sogar als Autor des Tour-Buches. Fast täglich berichtete Arndt aus seiner Sicht über die Etappen quer durch Frankreich. So über seinen siebten Platz beim Schlusssprint der achten Etappe, als Arndt alle Kapitänsaufgaben für sein Team erfüllt hatte, sich in der Spitzengruppe wiederfand und im Schlusssprint um den Etappensieg mitfuhr.

Arndt ist einer von zwei deutschen Fahrern im Team; die Hauptaufgabe des in Hürth lebenden Profis lag darin, den niederländischen Rundfahr-Spezialisten Tom Dumoulin im Flachen zu eskortieren und in den Sprints für den Australier Michael Matthews zu arbeiten. Arndt selbst ließ im Vorjahr mit einem zweiten Platz auf der 19. Tour-Etappe aufhorchen. Der Sunweb-Fahrer gehört zu den Sprintern, die sich auch im anspruchsvollen Gelände behaupten können.

Arndts Stärken liegen bei Eintagesrennen hier vor allem im Massenspurt. Dort feierte er auch seine bisher größten Erfolge. So im Jahr 2016, als er die 21. Etappe des Giro für sich entscheiden konnte. Im letzten Jahr gewann er ebenfalls im Spurt mit dem Cadel Evans Ocean Road Race sein erstes Eintagesrennen auf der UCI-World Tour. Seinen Vorjahreserfolg konnte Arndt nicht wiederholen. Der 1,88 Meter große Modellathlet musste nach 164 Kilometern in der Hafenstadt Geelong mit Rang sechs zufrieden sein.

Der unentbehrliche Helfer

Marcel Sieberg schafft die Voraussetzungen für die Siege der anderen. 2016 fuhr er beim Rennen Paris-Roubaix aber als bester Deutscher auf den siebten Platz.

Marcel Sieberg kann schon auf einige Jahre an Rennerfahrung im Radsport zurückblicken.
Marcel Sieberg kann schon auf einige Jahre an Rennerfahrung im Radsport zurückblicken.
Seit 13 Jahren ist Marcel Sieberg Profi-Rennfahrer, doch wenn es um Etappensiege bei der Tour de France geht, richten sich die Augen der Zuschauer mehr auf seinen Freund André Greipel. Sieberg, der Bocholter Hüne von 1,98 Metern und nur 82 Kilogramm schwer, ist aber stets der erste Gratulant des vielfachen Etappensiegers. Denn Greipel, der in Köln lebt, ist Kapitän im belgischen Lotto-Soudal-Rennstall, für den auch Sieberg fährt.

Der 36-Jährige ist sein Edel-Domestik, im Radsport manchmal verächtlich als Wasserträger bezeichnet. Doch der Familienvater weiß sich einzuschätzen, ist eben nicht der Siegfahrer. Er ist der unentbehrliche Helfer, der während des Rennens die Voraussetzungen für die Siege der anderen schafft, der auf der Zielgeraden für Greipel oft genug das Tempo verschärft, damit dieser für seinen Rennstall Erfolge einfährt.

Seit 2008 sind Sieberg und Greipel im Radsport unzertrennlich. Zusammen wechselten sie damals vom Team HTC-Columbia nach Belgien. Zwischenzeitlich wurde Greipel sogar Siebergs Trauzeuge. Neun Mal fuhr Sieberg die Tour, kam sechs Mal ins Ziel. In diesem Jahr stieg er, natürlich zeitgleich mit Greipel, während der letzten Hochalpen-Etappe entkräftet vom Sattel, gab entnervt auf und freute sich nur noch auf zu Hause.

Nur einmal in der Karriere von Marcel Sieberg lief es bisher anders herum. 2016 beim berüchtigten Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix stand Sieberg mal nicht wegen seiner treuen Helferdienste im Rampenlicht. Der Mann, der in Castrop-Rauxel geboren wurde, fuhr völlig überraschend auf den siebten Platz, war damit bester Deutscher und durfte bis kurz vor dem Rennende sogar vom ganz großen Coup träumen. Erst nach einer weiteren Tempoverschärfung musste der damals 33-Jährige die Führenden enteilen lassen. Doch der Fahrer aus dem Pott war hoch zufrieden mit seiner Leistung, Blasen an den Händen und Schmerzen am ganzen Körper ließen sich da ertragen. Und nun war es einmal anderes herum, nun war es Greipel, der seinem Freund gratulierte.

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