Erdmännchen Kimya und Amari mit Fünflingen im Krefelder Zoo

Krefelder Zoo-Zeitung:Erdmännchen Kimya und Amari mit Fünflingen im Krefelder Zoo

Erdmännchen sind immer für eine Geschichte gut.

Das Leben im Erdmännchen-Gehege kann manchmal ein bisschen wie „Lindenstraße“, „Gute Zeiten schlechte Zeiten“ und sogar „Dallas“ in einem sein.

Da gibt es erstaunliche Beziehungen, Dramatik, Schicksalsschläge und Trauer. Im Mai 2017 fing für den Zoo mit der Erdmännchen-Lodge alles an – mit viel Freude – und seitdem auch mit einigen Hochs und Tiefs. Die Geschichte der Krefelder Erdmännchen mal ganz anders – als Seifenoper.

Preview: Bei einer Pressekonferenz wird die neue Show vorgestellt, die in Zukunft die Menschen begeistern wird. In den Hauptrollen: Toni, Rosie und Traudi. Reichlich Presse, Rundfunk und Filmteams sind gekommen. Die Kameras laufen beziehungsweise klicken in einer Tour. Sympathisch entspannt geben sich die Darsteller der neuen Show bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt. Ihr Manager Wolfgang Dreßen strahlt. Jetzt kann es losgehen. Klappe, die Erste.

Folge 1: Spotlight auf die kleine Wohngemeinschaft, die noch so viele Jahre die Menschen begeistern soll. Zwischen den drei Bewohnern stimmt die Chemie. Es herrscht friedliche Stimmung im kleinen Idyll. Geht da vielleicht sogar noch mehr? Die Spannung steigt. Wie wird sich das Zusammenleben weiterentwickeln? Wird der langjährige Single Toni etwa bei einer seiner Mitbewohnerinnen sein Glück finden?

Im Off: In den sozialen Medien schwärmen die Fans derweil weiter begeistert von dem neuen Trio im Scheinwerferlicht. Alle wollen Fotos von und mit ihnen.

Folge 2: Erste düstere Wolken ziehen im Paradies auf. Für eine Liebesgeschichte scheint Toni noch nicht bereit. Er ist ein eher gemütlicher Typ. Ein Langschläfer. Er hadert mit seinem Arbeitsplatz. Denn er hat im wahrsten Sinne des Wortes zunehmend Probleme mit seinem Gewicht. Die Ladies übersehen das geflissentlich. Toni, der von Beruf eigentlich Wächter ist, bringt Komik ins Spiel, wenn er sich nur noch mit Mühe auf seinen Aussichtsplatz hochziehen kann.

Folge 3: Toni hat sein Gewicht wieder im Griff und ist der Held seiner beiden Mitbewohnerinnen. Die erhoffte Romanze mit einer der beiden Damen entwickelt sich.

Am Rande: Klatschreporter spekulierten fleißig darüber, wie die Serie weitergeht und ob bald Nachwuchs zu erwarten ist. Allerdings tut sich diesbezüglich nichts. Sollte es an Toni liegen?

Folge 4: Toni und seine Auserwählte Rosie lassen es sich nicht anmerken. Eine schauspielerische Glanzleistung, wie hier heile Welt präsentiert wird. Ein Arztbesuch lässt aufatmen: Alles ist in Ordnung beim Erdmännchen-Männchen.

Folge 5: Es ist ein Mädchen. Nach einer längeren Sendepause bekommt die Serien-Crew am 8. März 2018 Zuwachs. Liebevoll kümmern sich die Eltern um das Kleine. Und auch Mitbewohnerin Trudi geht ganz in ihrer Art Tantenstatus auf.

Im Off: Die Verantwortlichen der ganzen Show entscheiden sich gegen einen Namenswettbewerb. Ein enger Vertrauter der Familie hat die Ehre und darf den Namen vorschlagen.

Folge 6: Es wird Taufe gefeiert. Das Kind hat einen Namen: Amari. Und alle wollen die Kleine bewundern. Zahlreiche Besucher drängen sich um das Kind, um auch einen Blick zu erhaschen. Jeder will das schönste Foto machen.

Folge 7: Dramatik pur. Nach so viel Harmonie passiert Unfassbares: Toni Erdmann ist weg. Verschwunden. Die Familie bleibt allein zurück. Die Spannung ist nicht auszuhalten: Kann der Papa noch gefunden werden?

Im Off: Ein Sturm ungeahnter Größe ereilt die Verantwortlichen nach dem Bekanntwerden dieses Abgangs. In den sozialen Netzwerken wird spekuliert, wo Toni Erdmann sein könnte. Es gibt Menschen, die ihn vom Niederrhein bis nach Süddeutschland gesehen haben wollen. Realität und Fantasie verschwimmen. Erinnerungen an „Dallas“ werden wach, als Bobby nach seinem eigentlichen Serien-Aus doch wieder unter der Dusche stand und alles nur ein Traum war.

Folge 8: Bei der Suche nach Toni wird alles von oben nach unten und unten nach oben umgedreht. Wo gibt es einen Hinweis auf seinen Verbleib? Es bleibt ein Rätselraten für alle. Seine Mitbewohnerinnen und die kleine Amari halten sich gut – ganz besonders angesichts des Stresses der alleinerziehenden Mutter und alleinhelfenden Tante. Die beiden müssen in all dem Trubel auch noch gleich Tonis Arbeitsplatz mit übernehmen.

Folge 9: Abbruch während der Ausstrahlung. Im Off: Die falsche Folge wurde gesendet. Beim Casting war Kimya Erdmann als neuer Familienvater-Darsteller ausgewählt worden. Stattdessen wird versehentlich ein Stück mit einem beim Casting durchgefallenen Papa-Akteur gesendet.

Folge 10: Kimya ist der Neue und glänzt in seiner Rolle als Mitbewohner und Wächter der zwei älteren und der einen sehr jungen Dame.

Am Set: Es gibt Gemunkel, dass ein Drehbuchschreiber etwas verwechselt haben muss. Die Geschichte soll eine überraschende Wendung nehmen.

Folge 11: Es gibt erste Anzeichen, dass sich Kimya – nicht wie vom Publikum erwartet – zu einer der reifen Damen in seiner WG hingezogen fühlt. Die Überraschung ist perfekt: Eine Affäre entwickelt sich zwischen Kimya und der blutjungen Amari.

Social Media: Die Fans spekulieren sofort über weiteren Nachwuchs für die Soap-Familie.

Folge 12: Aus der Affäre wird mehr – und das hat Folgen. Die Liebe bewegt sich zwischen Mutterstress und Vatersorgen: Zweieiige Zwillinge machen viel Arbeit, auch wenn sie so niedlich aus „der Wäsche“ gucken. Das Familienglück scheint perfekt.

Folge 13: Dramatik und erneute Trauer: Der Nachwuchs ist schwer krank, zeigt Lähmungserscheinungen und stirbt.

Im Off: Die Betroffenheit der Fans ist groß, aber auch die Hoffnung, dass es das mit den Schicksalsschlägen nun war.

Folge 14: Im vorläufigen Serienfinale sind die Fünflinge des Power-Paares Kimya und Amari zu sehen. Alle gesund, alle munter. Ein absolutes Happy End.

DIE ENTWICKLUNG

Im Mai 2017 wird die neue Erdmännchenanlage mit Toni, Rosie und Traudi eröffnet. Am 8. März 2018 wird Amari geboren. Im Frühsommer 2018 verschwindet Toni Erdmann spurlos. Menschen wollen ihn an der A44 gesehen haben, schicken zum Beispiel e in Foto. Doch der verkohlte Körper entpuppte sich als Maulwurf unter der Motorhaube. Auch im März 2019 will jemand aus Süddeutschland den Erdmann gesehen haben.

Hatte ein Greifvogel Toni gepackt? Hatte ein Besucher ihn gestohlen? Oder schaffte er es aus eigener Kraft aus dem Gehege und fand nicht mehr zurück? Das Gehege wurde vergeblich umgegraben, um zu sehen, ob er nicht doch in einem der unterirdischen Tunnel stecken könnte.

Statt des als neues Erdmännchen-Männchen ausgeguckten Kimya kommt aus dem Zoo Münster versehentlich der dortige Leitmann. An diesem Tag war das Chip-Auslesegerät kaputt. Im Juli 2018 zieht dann der eigentlich ausgewählte Kimya ein. Statt für Rosie oder Traudi entscheidet sich der Neue in der Gruppe für Amari und bekommt mit ihr im November 2018 zwei kleine Erdmännchen. Der Nachwuchs hat eine Knochenkrankheit und stirbt im‡Februar 2019. Weitere fünf Erdmännchen kommen zur Welt und sind gesund und munter.

Fußpflege für die alten Damen

Die Elefantenhaltung im Krefelder Zoo hat sich völlig verändert. Direkten Kontakt gibt es kaum.

Viele Krefelder können sich noch ganz genau daran erinnern: Als sie Kind waren, ging es am Geburtstag in den Zoo. Denn dort wartete ein besonderes Highlight. Geburtstagskinder durften auf dem Rücken eines Elefanten reiten. Möglich machte das Zoopfleger Wolfgang Nehring, der mit seinen zirkusreifen Auftritten auf dem Außengelände der Anlage weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt war. Artgerecht war die damalige Haltung der Elefanten freilich nicht. Doch diese Erkenntnis setzte sich in Krefeld wie auch in anderen Zoo erst ganz allmählich durch. Im November 2010 war es schließlich soweit: Die Haltung der Tiere wurde von „hands on“ (freier Kontakt) auf „protected contact“ (geschützter Kontakt) umgestellt. Seitdem kommen die Tierpfleger nur noch durch ein Gitter mit den beiden asiatischen Elfantenkühen Rhena und Mumptas Mahal („schöne Prinzessin“) in Berührung. Besucher dürfen nur noch schauen, aber nicht mehr anfassen – und auf den Elefanten reiten erst recht nicht.

Umstellung wurde von langer Hand vorbereitet

„Der direkte Kontakt ist heute undenkbar: Das bleiben Wildtiere, man muss immer aufpassen“, sagt Knut Nielsen, der sich als Pfleger heute um die Elefanten kümmert. Man habe in den vergangenen 20 Jahren wahnsinnig viel über Elefantenhaltung gelernt und nehme heute mehr Rücksicht auf die Tiere und ihr natürliches Verhalten: Die Elefanten werden zu nichts mehr gezwungen. Die Umstellung vor mehr als zehn Jahren war von langer Hand vorbereitet worden. Zuerst wurde die Krefelder „Herde“ um ein Tier verkleinert und somit mehr Platz für Rhena und Mumptas Mahal geschaffen. Diese erhielten zwei Boxen im Innenbereich, die oft kritisierte Kettenhaltung – bis zu 15 Stunden am Tag wurden die Tiere früher angekettet – war damit passé.

Parallel dazu wurden vier hydraulische 800-Kilo-Toranlagen installiert, die per Knopfdruck gesteuert werden. Diese machen es überflüssig, dass die Tierpfleger das Gehege gleichzeitig mit den Elefanten betreten müssen. Viel Geld wurde zudem in einen speziellen Betonboden mit Gummi vermischt gesteckt, der besser für die Gelenke der Schwergewichte ist. „Wie in einer Turnhalle“, sagt Nielsen. Auch die Elefantenduschen und die Lüftungsanlage erhöhen das Wohlbefinden der beiden alten Damen.

Auch Elefanten bekommen Arthrose

Rhena und Mumptas Mahal sind tatsächlich Seniorinnen: Sie kamen 1970 aus Assam in den Zoo Krefeld und haben typische Alterskrankheiten wie Arthrose oder Entzündungen. Gerne lassen sie es sich gefallen, wenn Pfleger Knut Nielsen ihnen durch das Gitter die Fußsohlen mit der dicken Bürste pflegt oder die riesigen Nägel mit der Flex bearbeitet.

150 Kilo Futter vertilgt so ein Elefant am Tag. Los geht’s schon zum Frühstück mit Säcken voller Roter Beete sowie frischem Grünschnitt. Gerne greifen die beiden Kühe während der Nagelpflege mit ihren ebenso empfindlichen wie starken Rüsseln nach Leckerlis wie Brot oder Berlinern, die Knut Nielsen für sie bereit hält. „Wissenschaftlich gesehen, ist das natürlich kein gutes Futter, aber sie bekommen davon auch nicht viel“, sagt der Pfleger.

Die beiden Asiatinnen sollen ihren Lebensabend in der vertrauten Umgebung des Krefelder Zoos verbringen. Die Elefantenhaltung an sich ist hier ein Auslaufmodell: So wie die Tiere ist auch ihr Gehege trotz aller Umbauten in die Jahre gekommen.

„Neu zu bauen, wäre wahnsinnig teuer“, sagt Knut Nielsen. Da müsste schon ein Großsponsor daher kommen, der dem Zoo eine neue Anlage spendiert.