Menschenaffen im Krefelder Zoo: GorillaGarten & SchimpansenWald

Krefelder Zoo-Zeitung:Menschenaffen im Krefelder Zoo: GorillaGarten & SchimpansenWald

Nach dem GorillaGarten plant der Zoo nun den nächsten Schritt für eine moderne Menschenaffenhaltung. Ein Großteil der 2,6 Millionen Euro hat er bereits eingesammelt, rund 500.000 Euro wollen die Zoofreunde zum Beispiel über Zoolotterie oder Tierpatenschaften noch beisteuern.

Die PelikanLagune ist gerade vollendet, schon steht das nächste Bauprojekt in den Startlöchern. Diesmal geht es um eine weitere neue Außenanlage für die Menschenaffen. Vor einigen Jahren hatte der Zoo den neu gestalteten GorillaGarten mit seinen einzigartigen Einblicken auf das Leben dieser mächtigen und doch so sensiblen Tiere eröffnet. Nun sind die Schimpansen an der Reihe. „Das ist ein weiterer Schritt zu unserem Menschenaffen-Park, mit dem wir 2012 durch den GorillaGarten begonnen haben. Den Abschluss wird in in einigen Jahren eine neue Anlage für die Orang-Utans bilden“, sagt Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen. Dazwischen ist der SchimpansenWald an der Reihe. Er ist mit voraussichtlichen Kosten von 2,57 Millionen Euro nach dem Bau der Futtermeisterei das zweitgrößte Bauprojekt der Zoo Krefeld gGmbH.

Auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern und mit Netzhöhen von bis zu zwölf Metern wird eine abwechslungsreiche Landschaft mit Bäumen, Kletterstämmen, Plattformen, Wasserlauf, Rückzugshütten, Kunst- und Naturfelsen entstehen. Besucher werden die Schimpansen sowohl im Innen- als auch im Außenbereich aus bisher unbekannten Blickwinkeln intensiv beobachten können. Dr. Wolfgang Dreßen: „Aufgrund ihrer guten Kletterfähigkeiten, aber auch ihrer Gefährlichkeit wird eine mit einem Edelstahlnetz geschlossen-übernetzte Anlage – ähnlich unserer Jaguar-Anlage – entstehen. Dadurch können die Tiere die Anlage auch in der Höhe nutzen.“

Rund 2,6 Millionen Euro sind veranschlagt, damit die Tiere ein neues Zuhause mit viel Auslauf und zahlreichen Angeboten finden. Das meiste fließt in die Außenanlage selbst, 238 000 Euro kostet eine erhöhte Beobachtungsplattform für die Besucher. Ein Großteil der Summe ist bereits zusammen. Eine private Stiftung hatte 1,2 Millionen Euro gegeben, die Zoofreunde weitere 700 000 Euro als Einnahmen aus verschiedenen Kampagnen wie der Zoolotterie, Tierpatenschaften, Glücksrad und Erbschaften. Außerdem hat Dr. Nicola Schüren Zahngold gespendet. „Aber es fehlen noch rund 600 000 Euro, damit wir den SchimpansenWald, den wir 2021 eröffnen möchten, umsetzen können“, sagt Zoochef Dr. Dreßen.

Zoofreunde-Vorsitzender Friedrich R. Berlemann blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Wir Zoofreunde sind stolz, bereits jetzt 700 000 Euro für den SchimpansenWald beisteuern zu können. Und wir sind überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren gemeinsam mit dem Zoo die fehlenden 600 000 Euro durch vielfältige Spendenkampagnen sammeln werden.“ Dabei setzt er auch auf die tatkräftige Unterstützung durch die Besucher. Sie können bei der Zoolotterie nicht nur schöne Preise gewinnen, sondern tragen mit dem Kauf von Losen auch tatkräftig zum Bau der neuen Außenanlage mit bei. So wie in der Vergangenheit schon bei ähnlichen Projekten. Immerhin haben die Zoofreunde schon eine Menge Lose verkauft und den Erlös an den Krefelder Zoo abgeführt.
                  

Da der Zoo in Krefeld-Bockum mit seiner zentralen und dennoch ruhigen Lage sich räumlich nicht weiter ausdehnen kann, wird auf dem Areal umgeplant. Für den SchimpansenWald am nördlichen Ende des Affenhauses werden die Rosa Pelikane, die eine eigene PelikanLagune erhalten, und die Riesenkängurus umgesiedelt.

Seit der Eröffnung des europaweit beachteten Affentropenhauses 1975 ist die Haltung der drei Menschenaffenarten Westlicher Flachland-Gorilla, westafrikanischer Schimpanse und Borneo Orang- Utan ein Schwerpunkt des Krefelder Zoos. Freiland-Studien an Menschenaffen in den vergangenen 40 Jahren haben erheblich zur Neuausrichtung des Zoos beigetragen. „Zum einen wird die Haltung der Affenarten in den Zoologischen Gärten weltweit koordiniert. Dies ermöglicht ein gezieltes Zuchtmanagement zum Aufbau von genetisch stabilen Zoo-Populationen“, sagt Zoodirektor Dr. Dreßen. „Zum anderen sind naturnah gestaltete Außenanlagen heute ein Muss, um den intellektuellen Fähigkeiten und den komplexen sozialen Verhaltensweisen von Menschenaffen gerecht zu werden. Freianlagen bieten eine abwechslungsreiche Umwelt und vielfältige natürliche Reize.“

Mit der neuen Außenanlage will der Zoo Krefeld eine neue Gruppe aufbauen, die sich aus den drei Krefelder „Alt“-Tieren sowie Neuzugängen aus anderen Zoos zusammensetzen wird. Die Gruppe soll für die kommenden Jahrzehnte durch eine erfolgreiche Zucht einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung dieser hochbedrohten Tierart in menschlicher Obhut liefern.

Die Vermittlung von Wissen über das Leben von Schimpansen und ihre Bedrohung im Freiland gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Zoos. Dabei wollen Zoo und Zoofreunde auch Freilandprojekte in Westafrika unterstützen, die sich für den Erhalt der Affen in ihrem natürlichen Lebensraum einsetzen.


Zoo Gastronomie Krefeld

Die künftige Außenanlage

Die großzügige Außenanlage des künftigen SchimpansenWalds mit einer Fläche von rund 1300 Quadratmeter wird an das bestehende Menschenaffen-Tropenhaus angebaut. Durch eine leichte Stahlnetz-Konstruktion können die Tiere den gesamten Innenraum auch in der Höhe nutzen.

1 - Das Stahlnetz verhindert zugleich das Ausbrechen und ermöglicht die komplette Nutzung des Raumes für die kletternden Affen.

2 - Über einen Tunnel gelangen die Schimpansen in ihre Außenanlage.

3 - Die Besucher erhalten dank der Panoramascheiben rund um die Anlage einen Einblick aus den unterschiedlichsten Perspektiven.

4 - Außerdem führt ein Aufgang hinauf auf die Besucherplattform. Von dort haben die Besucher einen Blickkontakt zu den Kletterkünstlern, die sich in den oberen Regionen aufhalten.


Bedrohung im Freiland – Herausforderung für den Zoo

Westafrikanische Schimpansen sind vom Aussterben bedroht. Um herauszufinden, um welche Art es sich bei der im Krefelder Zoo handelt, wurde intensiv recherchiert.

Westafrikanische Schimpansen sind vom Aussterben bedroht. In ihren natürlichen Verbreitungsgebieten wie Guinea, Liberia und Sierra Leone werden die aktuellen Bestände vom World Wildlife Fund For Nature (WWF) derzeit auf maximal 34 000 Individuen geschätzt – mit einer stark abnehmenden Tendenz.

Zwischen 1994 und 2014 verschwanden rund 80 Prozent der Tiere. Ursachen sind unter anderem die Bejagung durch den Menschen und der Verlust an Lebensraum aufgrund der klimatischen Veränderungen, durch Waldrodung und starkes Bevölkerungswachstum.

Die Haltung von Schimpansen begann in Krefeld 1973. Mit dem Umzug 1975 in das neue Affentropenhaus entwickelte sich die Gruppe rasant. Zahlreiche Nachzuchten führten in den 1990er Jahren zu zeitweiligen Gruppengrößen von zwölf bis 14 Tieren.

Diese viel beachtete Zucht wurde durch Unklarheiten der Unterart-Zugehörigkeit unterbrochen. Es folgten genetische Untersuchungen aller in Europa lebender Schimpansen über einen Zeitraum von insgesamt zehn Jahren. Verbunden waren diese umfangreichen Untersuchungen mit einem Zuchtstopp für viele Gruppen.

Mittlerweile steht fest, dass alle Krefelder Tiere zu der hoch bedrohten Unterart aus Westafrika gehören (Westafrikanischer Schimpanse Pan troglodytes verus). Für diese Gruppe wurde ein Europäisches Zuchtprogramm (EEP) eingerichtet. Dieses Programm ermöglicht ein gezieltes Zuchtmanagement zum Aufbau von genetisch stabilen Populationen in europäischen Zoos.