Angespargelt und aufgespießt

Wir in Kempen:Angespargelt und aufgespießt

Ob weiß, grün oder violett - Liebhaber des edelsten aller Gemüse können sich freuen. Sie erwartet in dieser Saison der Power-Spargel. Warum das so ist und wieso er quietschen muss.

Über Spargel ist alles gesagt? Von wegen! Von Saison zu Saison wird der Genuss des weißen Goldes mehr und mehr auf die Spitze getrieben. Das liegt nicht nur an frischen Rezepten, sondern auch an besonderen Sorten und Trends:

Power-Spargel: „Weil Spargel eine Steppenpflanze ist, war das Wetter 2018 ganz nach seinem Geschmack: heiß und trocken, mit einem fast endlos langen Sommer. Da konnten die Pflanzen viel Energie parken, die sie jetzt rauspowern“, erklärt Simon Schumacher, Geschäftsführer des Verbandes Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer in Bruchsal.

Wachstum: „Eine Spargelpflanze bringt durchschnittlich 14 Stangen pro Jahr hervor“, sagt Schumacher. Zu Saisonbeginn wachse eine Stange rund einen Zentimeter pro Tag, in der Hauptsaison bis zu sieben Zentimeter. „Je langsamer der Spargel wächst, desto kräftiger ist er.“ Das heißt auch, umso größer die Gefahr, dass er holzig wird.

Neu-Züchtungen: „Es gibt neue Sorten, die jetzt auch rötlich schimmern. Der rote Spargel ist im Geschmack etwas süßlicher als der weiße“, sagt Schumacher.

Farbe: Spargel ist nur dann weiß, wenn kein Licht an den Trieb kommt. „Deshalb wird der Sandboden zu Bänken aufgeschüttet. Bei violetten Spitzen bekommt der Spargel kurz Licht ab“, erklärt Schumacher. Grüne Stangen wachsen komplett oberirdisch und bekommen ihre Farbe durch die Photosynthese. Sie haben mehr Vitamin C.

Frische: Die erkennt man an geschlossenen Köpfchen, glänzenden Schalen, saftigem Anschnitt und am Geräusch. Schumacher: „Wenn man die Stangen aneinander reibt, quietschen sie.“


Wie Erdbeeren optimal wachsen

Spargelzeit ist auch die Zeit, in der Erdbeeren reif sind. Auch sie

Der passende Nachtisch zu einem Spargelgericht muss natürlich mit Erdbeeren sein. Auch diese werden bei Küthen zurzeit geerntet und verkauft. Die Sorte Elsanta überzeugt durch guten Geschmack und guten Ertrag. Etwas später wird dann die sehr süße Sorte Lambada verkauft. Auch bei den Erdbeeren gibt es mittlerweile einige technische, aber auch biologische Hilfen, die den Anbau erleichtern. Anfang August werden bei Küthen die Erdbeerpflanzen in Töpfe gesetzt. Bis die Erdbeere erntefertig ist, bedarf sie viel Pflege. So müssen zum Beispiel regelmäßig die Ranken entfernt oder Blüten hervorgeholt werden.

Zur Bestäubung der Blüten werden Hummeln eingesetzt und zur Schädlingsbekämpfung Nützlinge ausgesetzt. Durch die voll computergesteuerte Produktion können für die Erdbeerpflanzen immer optimale Bedingungen wie zum Beispiel Klima, Belichtung oder Bewässerung und Düngung geschaffen werden. Somit ist die Pflanze weniger anfällig für Krankheiten und der chemische Pflanzenschutz kann auf ein Minimum reduziert werden. Die Kästen hängen auf etwa 1,30 Meter Höhe, wodurch die Erntebedingungen sehr angenehm sind. Nach der Ernte dann werden die Pflanzen in eine Winterruhe versetzt, bis Anfang Februar die Heizung wieder angestellt wird und die Beleuchtung beginnt.

Doch trotz aller Technik hat auch hier das Wetter durchaus einen großen Einfluss. Und das war in diesem Jahr bisher nicht optimal. „Im März hätten wir mehr Sonne gebrauchen können“, sagt Anne Küthen. Gerade als der Frühling eine Pause eingelegt hatte, hätten die Blüten das Licht gut vertragen können. Im April sorgte dann die ungewohnt große Hitze für Stress bei den Pflanzen. Dem Geschmack tut das aber zum Glück keinen Abbruch. Und im Hofladen von Küthen greifen die Kunden gerne zu den leckeren roten Früchten.


Hier gibt es Spargel satt

Beim Spargelhof Küthen ist jetzt Hochsaison.

In diesem Jahr ist die Spargel-Saison so früh gestartet wie selten. „Wir bauen seit dem Jahr 2001 Spargel an und seitdem war es erst das zweite Mal, dass wir schon im März verkaufen konnten“, sagt Anne Küthen vom gleichnamigen Spargelhof am Krefelder Weg 100 in Unterweiden.

Das ist auch eine Folge des trockenen Herbstes im vergangenen Jahr. Dieser machte es möglich, das Aufbauen der neuen Dämme schon im November durchzuführen. Normalerweise passiert das erst im Februar oder März. Und das verschaffte den Pflanzen schon einen kleinen Vorsprung. Dann sorgten die ersten warmen Tage im Februar dafür, dass das Wachstum so richtig durchstarten konnte. So konnte bei vielen der Spargel bereits zum Osterfest auf dem Tisch stehen. Und auch danach ist die Nachfrage nach den leckeren und gesunden Stangen gut.

Das sonnige und warme Frühlingswetter im April hat für einen ordentlichen Ernteertrag gesorgt. „Für den Geschmack des Spargels ist das schnelle Wachstum gut“, sagt Thomas Küthen. Können die Stangen nur langsam wachsen, würden sie schon mal bitter werden. Das ist jetzt nicht zu befürchten. Allerdings könnte es durchaus sein, dass der Spargel-Genuss etwas früher endet, wenn es weiterhin so warm bleibt. Traditionell geht die Saison bis zum Johannistag am 24. Juni. So soll die Pflanze ausreichend Zeit haben, durchzuwachsen und auch im nächsten Jahr gute Erträge bringen können.

Bei Küthen werden frühe und späte Sorten Spargel angebaut. Doch auch die späte Sorte meldet sich bereits. Die Landwirte können die Erträge aber durchaus steuern. Zum Beispiel durch die Abdeckungen. Eine Kombination aus zwei Folien wirkt wie ein kleines Gewächshaus. Die schwarze Folie sorgt dafür, dass möglichst viel Wärme nach innen geleitet wird. Wenn es wie jetzt dann sehr warm ist, wird die Folie gewendet. „Dann ist die weiße Seite oben, die reflektiert das Licht, damit die Stangen nicht so schnell wachsen“, erklärt Thomas Küthen. Zudem sorgt er durch Bewässerung für Kühlung des Bodens, um das Pflanzenwachstum zu bremsen, damit die Saison auch bis zum 24. Juni dauern kann.

Zum Spargelanbau gehört heute noch eine Menge Handarbeit. Gestochen werden die Stangen auf dem Küthenhof immer noch von Hand. Für Spargel- und Erdbeeren-Ernte sind zurzeit 20 Saisonkräfte mit im Einsatz. Hinzu kommen die Kräfte im Hofladen. Aber die Technik erleichtert die Arbeit enorm. Das geht schon vor dem Ernten los. Mittlerweile wird die Temperatur im Boden elektronisch in einer Tiefe von 0, 5, 20 und 40 Zentimetern gemessen. Die Infos dazu bekommt der Landwirt auf sein Handy. So kann er wesentlich schneller reagieren und das ermögliche auch eine bessere Qualität der Ernte. Ab elf Grad fängt der Spargel an zu wachsen, 15 bis 16 Grad im Boden sind ideal.

Der Boden auf der Kempener Platte ist ein schwerer Boden. Früher sei er zu schwer gewesen, um dort Spargel anzubauen. In sandigen Böden ist der Anbau einfacher. Aber die technische Unterstützung ermöglichte den Spargelanbau auch hier. So wird die Erde sehr feinkrümelig gemacht, damit die Stangen gut wachsen können. Die Folie sorgt dafür, dass der Boden trocken bleibt. Nass würde die Erde zu hart werden und den Stangen keine Chance lassen, gerade nach oben zu wachsen. Der schwere Boden hat aber auch Vorteile. „Er enthält mehr Mineralien. Das macht den Spargel geschmacksintensiver“, sagt Thomas Küthen.

Bei der Ernte hilft eine sogenannte „Spargelspinne“. Diese hebt die Folie an, was den Erntehelfern die Arbeit sehr erleichtert. Auch müssen sie die geernteten Stangen nicht mehr selbst tragen. Sind die Stangen geerntet, werden sie bei Küthen mit kaltem Wasser schnell heruntergekühlt, damit sie frisch bleiben. Die Einteilung in insgesamt 13 verschiedene Sortierungen übernimmt eine Maschine. Sie sorgt dafür, dass beim Kochen später alle Stangen gleichzeitig gar werden. Verkauft wird unter anderem im Hofladen von Familie Küthen, in dem es auch Schinken, Sauce, Kartoffeln und Wein gibt. Hier wird der Spargel bei Bedarf auch direkt für den Kunden geschält. Und alles rund die Erdbeere gibt es ebenfalls.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 18.30 Uhr, Samstag: 9 bis 14 Uhr, Sonntag und Feiertag: 10 bis 13 Uhr. Kontakt: Krefelder Weg 100, 47906 Kempen, Tel. 02152/91 24 50

http://www.spargelhof-kuethen.de